Berlin / Düsseldorf, 14. Februar 2026: Der am 11. Februar 2026 vorgestellte Entwurf zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) stößt nicht nur auf Bundesebene auf deutliche Kritik. Der nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Dennis Sonne (Bündnis 90/Die Grünen) bezeichnete die Pläne als "nicht ausreichend, um echte Gleichstellung im Alltag herzustellen". Zwar enthalte der Entwurf Verbesserungen für Bundesbehörden, doch bleibe er bei der entscheidenden Frage verbindlicher Verpflichtungen für die Privatwirtschaft hinter den Erwartungen zurück.
„Dass der Bund seine eigenen Behörden barrierefrei gestalten soll, darf im Jahr 2026 kein Reform-Highlight mehr sein“, erklärte Dennis Sonne. Die eigentlichen Barrieren entstünden im Alltag, in Restaurants, Geschäften, Sportstätten oder Freizeiteinrichtungen. Genau dort fehle jedoch eine klare, durchsetzbare Verpflichtung zur Barrierefreiheit. „Solange private Anbieter nicht verbindlich in die Pflicht genommen werden, bleibt Gleichstellung vom guten Willen Einzelner abhängig.“
Besonders problematisch sei aus seiner Sicht, dass Ausnahmeregelungen und Zumutbarkeitsprüfungen dazu führen könnten, dass notwendige Anpassungen unterbleiben. „Barrierefreiheit darf nicht an wirtschaftlichen Erwägungen scheitern. Sie ist ein Menschenrecht und kein optionales Serviceangebot“, so Dennis Sonne. Neben der rechtlichen Dimension betont der Abgeordnete auch die gesellschaftliche Bedeutung von Barrierefreiheit. Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung seien entscheidend für den Abbau von Vorurteilen. „Vorurteile entstehen durch Distanz. Sie verschwinden durch Begegnung. Wenn Menschen mit Behinderungen nicht selbstverständlich überall teilhaben können, fehlen genau diese Begegnungen“, erklärte er. Barrierefreiheit sei daher auch eine Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Mit Blick auf den demografischen Wandel warnt Sonne zudem vor weiterem Zögern. Deutschland altere rasant, in den kommenden Jahren werde ein immer größerer Teil der Bevölkerung auf barrierefreie Strukturen angewiesen sein. „Der demografische Wandel lässt uns keine Zeit für halbherzige Lösungen“, so der Politiker. Barrierefreiheit komme nicht nur Menschen mit Behinderungen zugute, sondern ebenso älteren Menschen, Familien mit Kinderwagen oder Personen mit temporären Einschränkungen.
Auch wirtschaftspolitisch sieht Sonne dringenden Handlungsbedarf. Angesichts des Fachkräftemangels sei ein inklusiver Arbeitsmarkt ein entscheidender Standortfaktor. „Wir sprechen über fehlende Fachkräfte, schließen aber gleichzeitig Potenziale aus. Inklusion stärkt unsere Wirtschaft. Wer Barrieren abbaut, erschließt Talente“, erklärte er. Abschließend forderte Sonne Nachbesserungen am Gesetzentwurf. Notwendig seien klare Fristen, verbindliche Verpflichtungen für private Anbieter und wirksame Kontrollmechanismen. „Barrierefreiheit darf kein ‚Kann‘ bleiben. Sie muss ein ‚Muss‘ werden – im öffentlichen Raum ebenso wie im privaten Alltag.“






