Schutz 0811

Berlin, 29. April 2026: Am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai ruft ein breites Bündnis aus Wohlfahrts-, Sozial- und Behindertenverbänden zu einer Demo in Berlin auf. Zu diesem Bündnis gehören der Allgemeine Behindertenverband in Deutschland, der Berliner Behindertenverband, das Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter (Bifos), der Bundesverband für Selbsthilfe Körperbehinderter, die Fürst Donnersmarck-Stiftung, der Landessportbund Berlin, die Lebenshilfe Berlin, der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin, der SoVD-Landesverband Berlin-Brandenburg, die Sozialhelden und der Sozialverband VdK Berlin-Brandenburg. Sie alle bewegt, dass Menschen mit Behinderungen auch 18 Jahre nach Inkrafttreten der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen und vieler nationaler Gesetze und Richtlinien von einer uneingeschränkten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben noch immer weit entfernt sind.

„Insbesondere Menschen mit komplexen Behinderungen werden in vielen Lebensbereichen nicht ausreichend berücksichtigt – sei es in der Bildung, auf dem Arbeitsmarkt, in der Gesundheitsversorgung oder bei politischen Entscheidungsprozessen. Dies führt zu struktureller Ausgrenzung und widerspricht dem Anspruch einer inklusiven Gesellschaft. Wir fordern von der Politik, die Rechte von Menschen mit komplexen Behinderungen endlich umfassend zu berücksichtigen und umzusetzen. Teilhabe ist ein grundlegendes Menschenrecht und darf nicht von Art oder Schwere einer Behinderung abhängig gemacht werden“, sagt Dominik Peter, Vorstandsvorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin.

Armin Dötsch, Sprecher des SoVD-Landesverbandes Berlin-Brandenburg, ergänzt: „Menschen mit Behinderungen sind nicht ‚schwer vermittelbar‘ – schwer vermittelbar sind unsere Strukturen. Es ist ein Skandal, dass die Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Behinderungen doppelt so hoch und damit die Armutsgefährdung drastisch höher als in der Gesamtbevölkerung ist. Das liegt auch an fehlender Inklusion im Bildungssystem. Inklusion am Arbeitsmarkt gelingt nur mit inklusiven Schulen, die wirklich allen Kindern gute Zukunftsaussichten bieten.“

„Wir fordern barrierefreien Wohnraum – und zwar konsequent und bezahlbar! Es reicht nicht, Barrierefreiheit nur auf dem Papier zu versprechen. Menschen mit Behinderungen brauchen Wohnungen, die ihren Anforderungen entsprechen und die sie sich auch leisten können. Deshalb raucht Berlin ein transparentes Wohnungskataster, das barrierefreie Angebote sichtbar macht und Versorgungslücken offenlegt. Barrierefreier Wohnraum ist kein Luxus, sondern Existenzsicherung“, erklärt Henrike Weber, Sozialpolitische Referentin des Sozialverbands VdK Berlin-Brandenburg.